Nachfolgend ein Artikel den ich im Jahr 2007 unter Verarbeitung der Erfahrungen Sabiens schrieb, der es aber nie seinen Weg in die Imkerpresse fand. Auf besonderen Wunsch Ollis nun exclusiv hier, live und in Farbe 🙂

Die nÀchste Konsequenz

Nach kleineren Zellen nun der geringere Abstand

RĂŒckblick

In den letzten fĂŒnf Jahren war viel von Versuchen zu lesen und zu hören, Bienen auf einem kleineren Zellmass als dem gĂ€ngigen zu fĂŒhren. Angestossen hatte die Bewegung das Imkerehepaar Dee und Ed Lusby aus den USA. Erik Österlund wurde aufmerksam und stellte seinen gesamten Betrieb um. Viele seiner Kollegen in Schweden taten es ihm gleich. Thomas Kober fĂŒhrte die Theorie in Deutschland ein. Hintergrund war immer, den Bienen ein Leben mit der Varroa, aber ohne Behandlungen, zu ermöglichen.

Probleme

Viele Imker versuchten daraufhin ihre Völker auf MittelwĂ€nde mit dem kleineren Zellmass von 4,9mm umzustellen. Nicht immer war dies von Erfolg gekrönt. Einige Linien – auch einige etablierte Buckfast-Linien – zeigten sich recht renitent und verweigerten sich schlicht den kleinen Zellen. Andere wiederum bauten das Kleinmaß auf Anhieb perfekt aus. Darunter waren auch „einfache“ Landbienen. Recht wenig Erfolg hatte man allgemein mit reingepaarten Carnica-Linien. Diese Bienen haben das kleine Maß anscheinend völlig „vergessen“.

Bei Linien die auf kleinen Zellen etabliert werden konnten, zeigte sich manch interessanter Effekt. Königinnen, die auf kleinen Zellen geboren wurden, legten in Waben aus herkömmlicher Herstellung (5,5 – 5,7mm) plötzlich Drohneneier!

Es stellt sich die Frage, was wohl zu diesen doch sehr ausgeprĂ€gten Unterschieden bei der Annahme von kleinen Zellen fĂŒhrt. Ausser Frage steht nach Studium der Literatur, dass auch in Mitteleuropa keineswegs ein Zellmaß von 5,5 – 5,7mm ĂŒblich war. Ein GefĂ€lle von Nord nach SĂŒd kann jedoch nachvollzogen werden.

Heureka!

Den SchlĂŒssel zur Beantwortung dieser Frage mag in ein Blick in die Wiege der koordinierten Imkerei in Deutschland zeigen, der Heideimkerei. Über einen langen Zeitraum hinweg wurden die Bienen dort im Naturbau ohne Bauvorgabe gefĂŒhrt. In einem von einem Kollegen per Zufall entdeckten, sehr altem Korb aus der Nordheide – ohne Mottenbefall – zeigte sich Erstaunliches: kleine Zellen zwischen 4,9 und 5 mm sowie einen Wabenabstand von nur 32mm!

Die Konsequenz

Ziel wĂ€re es, bei unseren Bienen die Haltungsbedingungen so zu optimieren, dass oben erwĂ€hnter Umstand wieder eintritt oder aber vorgegebene MittelwĂ€nde mit kleiner PrĂ€gung („normale“ PrĂ€gung?!) wieder tadellos ausgebaut werden. Also mĂŒssten die Abstandregelungen so verĂ€ndert werden, dass ein Abstand von 32mm von RĂ€hmchenmitte zu RĂ€hmchenmitte sichergestellt ist. Bei vielen RĂ€hmchen lĂ€sst sich dies durch andere Pilzköpfe o.Ă€. erreichen. Bei Hoffmannschenkeln wird man zum Hobel greifen mĂŒssen.

Erfolg der Konsequenz?

Ist es ĂŒbertrieben diese „Entdeckung“ als Quantensprung zu bezeichnen? Die Verbesserung des Ausbaus von kleinzelligen MittelwĂ€nden ist offensichtlich. Selbst Völker, die „auf die harte Tour“ einfach auf 4,9mm gesetzt wurden, bauten die MittelwĂ€nde ĂŒberwiegend brauchbar aus, was bei normalem Abstand meist in dem architektonischen Fiasko endete, das nicht bebrĂŒtet wurde. Ein Zwischenschritt ĂŒber 5,1mm ist vielfach nicht mehr nötig. Nach wie vor werden die besten Ergebnisse erreicht, wenn die Erfahrungen der Lusbys und die ErlĂ€uterungen von Thomas Kober berĂŒcksichtigt werden.

Welche Beobachtungen konnten an umgestellten Völkern gemacht werden? ZunĂ€chst mal absolut nichts Negatives! Kein erhöhter Schwarmtrieb, keine verĂ€nderte Sanftmut, kein verĂ€nderter Ertrag. Carnicaimker berichten von einem noch explosiverem Start im FrĂŒhjahr als es bei manchen C-StĂ€mmen ohnehin schon der Fall ist. Besonders schwach ausgewinterte Völkchen ĂŒberraschen mit einer erfreulichen Entwicklung. Ein Beispiel aus dem Jahr 2007: ein Mitte April auf fĂŒnf Zanderrahmen ausgewinterter Ableger mit 2006er-Königin brachte bis zum Sommeranfang noch vier Flachzargen an Honig, natĂŒrlich mit entsprechender Bienenmasse! Möglicherweise ist daran eine positive Auswirkung der kleinen Zellen und des verĂ€nderten Abstandes auf die Lebensdauer der Einzelbiene zu erkennen. Diese Erkenntnisse allein sind fĂŒr manche Kollegen schon ein Beweggrund gewesen bei kleineren Zellen zu bleiben.

Varroatoleranz?

Die Krönung wÀre nun ein eindeutiges JA. Leider können wir hiermit nicht dienen. Zu kurz sind unsere Erfahrungen bislang. Begleitend konnten wir jedoch folgendes feststellen:

Von einem Bestand, der seit mehreren Jahren auf kleinen Zellen sitzt, wird berichtet, dass das ohnehin bereits starke Putz- und ZellenausrĂ€umverhalten bei etwa der HĂ€lfte der Völker anscheinend durch den kleineren Wabenabstand noch einmal deutlich verstĂ€rkt wurde, unabhĂ€ngig davon, ob sie auf MittelwĂ€nde oder LeerrĂ€hmchen gesetzt wurden. Seitdem sind morgendliche Funde von 50 bis zu 200 entsorgten Puppen vor der Beute fast normal, wobei die Bienen nicht konstant und gleichmĂ€ĂŸig entsorgen, sondern in Wellen von 1 bis 3 NĂ€chten etwa alle 7 bis 12 Tage.

Das Putzverhalten Ă€ußert sich derart, dass einzelne Bienen umringt von 2 bis 5 anderen Bienen auf der Beutenfront oder dem Flugbrett sitzen und bis zu 8 Minuten lang von allen Seiten grĂŒndlich geputzt werden, ohne dass es einen Ă€ußeren Anlass dazu gĂ€be. Bis zu 18 dieser Putztrupps wurden gleichzeitig an einer Beute beobachtet.

Bemerkenswert erscheint die Entwicklung von 4 eingefangenen „großen“ CarnicaschwĂ€rmen, die auf LeerrĂ€hmchen mit Anfangsstreifen mit dem kleinen Wabenabstand sofort im Brutnest im Naturbau 4,7-9mm bauten, hingegen im spĂ€ter aufgesetzten Honigraum 5,6-7mm. 3 dieser Völker zeigen ebenfalls das verstĂ€rkte Putz- und AusrĂ€umverhalten.

Sonstiges

GewöhnungsbedĂŒrftig ist zunĂ€chst der verĂ€nderte Eindruck des Brutnests das sich wesentlich kompakter darstellt. Durch die Konzentration auf weniger RĂ€hmchen, wird im ersten Moment eine schwĂ€chere Legeleistung suggeriert.

Der geringere Wabenabstand ermöglicht dem Imker eine VerĂ€nderung der Betriebsweise. Selbst im normalen 10er Zandermagazin ist nun problemlos eine einrĂ€umige Betriebsweise möglich. Durch den verringerten Abstand passt eine Wabe mehr ins Magazin und die kleineren Zellen tun ihr ĂŒbriges. Der Königin stehen etwa 80.000 Zellen zur VerfĂŒgung! Das reicht locker, um noch fĂŒnf bis sechs HonigrĂ€ume darĂŒber mit Bienen zu fĂŒllen. Bei Nutzung von Dadant-BrutrĂ€umen kann das Volk problemlos „gepresst“ werden, ohne von einer BrutbeschrĂ€nkung zu sprechen. Hier stĂŒnden bei elf mod. Dadantrahmen (im 10er Kasten) mehr als 100.000 Zellen zur VerfĂŒgung. Hier muss die Entscheidung nach den regionalen UmstĂ€nden und der IntensitĂ€t der Imkerei (Wanderung etc.) getroffen werden.

Man muss beachten, dass z.B. bei Langstroth und Dadant schmĂ€lere RĂ€hmchen notwendig sind. Hier sind die normalerweise RĂ€hmchen 28-29mm breit. Entweder man hobelt die RĂ€hmchen auf die erforderliche Schmalheit ab oder man kauft gleich neue. Beim Abhobeln muss man die gewĂŒnschten Abstandshalter berĂŒcksichtigen. Habe ich 7mm PolsternĂ€gel muss ich auf 25mm RĂ€hmchenbreite kommen. Bei anderen Abstandshaltern möglicherweise noch weniger. Das wĂŒrde ich aber wegen der zu befĂŒrchtenden InstabilitĂ€t nicht machen. Bei Zander- oder DN-RĂ€hmchen mit geraden Seitenteilen ist das ganze einfacher zu bewerkstelligen. Bei vorhandenen RĂ€hmchen mit Hoffmann-Seitenteilen muss man mal genau vermessen wieviel von den Seiten abgenommen werden kann. Mit einem elektrischen Handhobel geht das recht schnell. Vorsicht wiederum bei mod. Zander mit dickem ObertrĂ€ger, hier muss wieder exakt gemessen werden um Verbau zu vermeiden.

Betonen möchten wir, dass wir nicht die „Erfinder“ des verĂ€nderten Wabenabstandes sind. Wir danken vielen Kollegen rund um den Globus fĂŒr den reichen Erfahrungsaustausch in dieser Sache!

R. Schwarz + S. Eltermann

 

PS: Dadant RĂ€hmchen mit 25mm Breite bekommt man bei verschiedenen Herstellern auf Nachfrage.  Alle Dadantvölker sind nun auf 5,1er Zellen mit 32mm Rahmen umgestellt.  Falls der Abstand etwas grĂ¶ĂŸer ist, weil das RĂ€hmchen etwas breiter ist, so ist das nicht schlimm. Bei 5.1er Zellen sind auch 33-34mm akzeptabel.

PPS: Ich bevorzuge bei 5.1er Zellen mittlerweile generell nicht 32mm sondern 33-34mm

Nach den kleinen Zellen, der geringere Wabenabstand

9 Gedanken zu „Nach den kleinen Zellen, der geringere Wabenabstand

  • 4. Februar 2012 um 08:11
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    Danke Olli, danke Reiner!
    Schönes WE wĂŒnscht euch mit Gruss
    Frank

  • 10. Februar 2012 um 23:01
    Permalink

    Danke Reiner,
    alles noch einmal wunderbar kompakt zusammengefasst!

    Viele GrĂŒĂŸe aus Holzkirchen
    Raimund

  • 12. Februar 2012 um 16:41
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    Sag auch danke Reiner Kurt

  • 17. Februar 2012 um 13:08
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    Thx fĂŒr den Bericht. Wenn man das machen möchte kommt man allerdings nicht umhin, einiges umzustellen. Man kann das Hauruck ĂŒber eine Total-Bau-Erneuerung machen oder die alten RĂ€hmchen rausrotieren. Stellt sich allerdings die Frage ob und wie sich gemischte RĂ€hmchen auswirken (gemischt nicht durcheinandergewĂŒrfelt also mal 32mm mal 35mm mal 32mm und dann 35 und noch mal 35.
    Gibt es da Erfahrungen?
    Olli

  • 20. Februar 2012 um 15:34
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    Hallo Rainer,
    ich habe auch wie Olli ein kleines Problem, ich habe letztes Jahr viele RĂ€hmchen von Weber gekauft, die 28,5 breit sind, mit meinen 7,5 mm Abstandhalter ergibt das einen Wabenabstand von 36 mm. Wenn ich nun die 5,1er MW (nicht die 4,9er) verwenden will, muss ich auch unbedingt auf die 32 mm Wabenabstand kommen, oder reicht es, wenn ich z.B. die PolsternĂ€gel 1 mm tiefer ins Holz drĂŒcke ( oder nur unter den PolsternĂ€gel abhoble, aber nicht das ganze RĂ€hmchen). Mir fehlt noch eine ordentliche Werkstatt dafĂŒr.
    Bei welchem Wabenabstand werden deiner Meinung nach die 5,1er MW noch gut ausgebaut?
    LG Said

  • 20. Februar 2012 um 16:00
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    Hi, Leute. Beespace ist Beespace, der muss einfach da sein, sonst gibts Verbauungen. Dem mĂŒssen die Maße der RĂ€hmchen folgen. 32mm Abstand mit 28,5er RĂ€hmchen haut nicht hin, da spreche ich aus eigener Erfahrung, ich wollte das zuerst nicht wahrhaben – ist aber so. FĂŒr 5,1er MW ist aber der geringere Abstand nicht zwingend notwendig. Meiner Erfahrung nach geht das immer gut, auch bei RĂ€hmchen mit breiterem Wabenabstand. Mischen ist nicht so gut, das ist aber das GefĂŒhl. Ich versuche das schon in einem Volk einheitlich hinzubekommen. Bei mir warten gerade 280 DA-RĂ€hmchen auf die Fertigstellung mit Abstandshaltern und MittelwĂ€nden bzw. Anfangsstreifen. Im FrĂŒhjahr plane ich dann alles einheitlich umzustellen.

    LGR

  • 20. Februar 2012 um 22:55
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    Danke fĂŒr die ErklĂ€rung.
    Ich dachte Beespace liegt zwischen 6 und 10 mm, so wenn ich meine 7,5 PolsternĂ€gel 1 mm tiefer eindrĂŒcke, bleibe ich bei 6,5 mm immer noch im tolerierbaren Beespace-Bereich. Nun ja, falsch gedacht.
    Ich werde dann fĂŒr die Ableger dieses Jahr schon die 5,1er MW einkaufen und in meinen breiteren Waben (28,5+7,5=36 Wabenabstand) einlöten. Ich dachte zuerst, bevor ich die dĂŒnnere Waben nicht gekauft/abgehobelt habe, kann ich mit den 5,1er MW nicht anfangen.
    LG Said

  • 8. April 2012 um 20:04
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    Hallo Reiner,
    dieses auffÀllige Putzverhalten (eine Biene wird von 2-5 Bienen minutenlang intensiv geputzt)
    habt Ihr (Sabiene und Du) dies unabhÀngig voneinander beobachtet?

    Viele GrĂŒĂŸe
    Regina

  • 9. April 2012 um 22:34
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    Zuerst sie dann ich 😉

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