An der hier geschilderten voraussichtlichen Auswahl der Zuchtmütter mußte nicht viel verändert werden. Bis auf eine kamen alle gut über den Winter und konnte für die Nachzucht verwendet werden. Leider vertrug die B25 sehr schlecht die Reste von Melezitosehonig, die im Volk eingelagert wurden. Nachdem die normale Überwinterung im letzten Jahr schon schwächer war, entschloß ich mich nicht einzugreifen, “live or let die” sozusagen. Es lief auf die letzte Option hinaus. Wenn die örtlichen Umstände bei mir schlecht vertragen werden ist eine Nachzucht sinnlos, auch wenn die Varroazahlen sehr erfreulich niedrig waren. Eine Tochter davon erwischte es auch, die anderen Völker am Stand winterten befriedigend bis gut aus. Also leider keine B25 in der Nachzucht.

Bei den übrigen Zuchtmüttern lief alles wie ich mir es vorgestellt und gewünscht hatte. Zum Teil wurden meine Erwartungen in die guten Eigenschaften noch deutlich übertroffen. Eine Überraschung kam ins Haus. Ich “entdeckte” in meinem Bestand eine verloren geglaubte Abstammung, eine mir wertvolle Linie. Bitte nicht nach den Details fragen, das ist ein wenig peinlich. Tatsache ist, sie ist da! Sie läuft unter B533. Von ihr habe ich viel vermehrt.

Mein Pedigree ist übrigens schon in der Online-Zuchtregistratur erschienen: Pedigree_RS_2019

Bei der Belegstelle Münsingen auf der Schwäbischen Alb

Ein wenig bin ich schon froh, dass nun die Einwinterung läuft. Allein zu den Belegstellen waren wir 2000 km mit dem Auto unterwegs. Gar nicht auszudenken, wenn wir noch Lust gehabt hätten eine Inselbelegstelle zu besuchen. Kollegen aus Bayern die das tun sind wirklich Hard-Core! Der Erfolg ist ja auch nicht garantiert. Mein Erfolg in Münsingen zum Beispiel war geringer als erwartet, aber in Ordnung. Die Kollegen dort leisten übrigens gute Arbeit! Für das kommende Jahr sollte wieder mehr in der Kooperation funktionieren, nicht nur beim VSH-Projekt, sondern auch bei der üblichen Selektion und Zucht. Das vermisse ich derzeit etwas und befürchte, da könnten wertvolle Ressourcen verloren gehen.

Auf dem Hausberg hatten wir beste Bedingungen und die Königinnen die ich von dort bekam, gefallen mir sehr gut, bzw. die Völkchen mit den Bienen aus dieser Anpaarung. Im nächsten Jahr werden wir wieder eine Monticola-Linie als Drohnen haben. Sie ist ein Nebenprodukt des bayerischen VSB-Programms. Da ich die Linie seit langen Jahren kenne und ihre Eigenschaften sehr schätze freue ich mich darauf.

EL74 – UrUrUrUrUrUrUr-Großmutter der Drohnen 2020

Sie ist eine fortgeführte Selektion der Linie die im Jahr 2010 und 2016 auf dem Hausberg stand. Sie bietet sehr gute Fruchtbarkeit und sehr gutes Hygieneverhalten sowie Schwarmträgheit und Leistung. Die Mutter hatte 87,5% VSH, der Vater 75% VSH. 8 von 10 Generationen wurden am Hausberg begattet! Die Königin ist single-drone-besamt (SDI). Das war heuer schon in Münsingen der Fall. Bin gespannt wie sich das auswirkt. Ich erwarte eine höhere Einheitlichkeit bei der Vererbung.

Drohnenvolk am Hausberg auf der Stockwaage mit “plötzlichem Gewichtszuwachs”

Was sich in diesem Jahr, wieder einmal, als der unberechenbaste Faktor erwiesen hat, ist das Wetter. Der April zu warm und zu trocken. Der Mai mit vier Frosttagen und 22 Regentagen verheerend für die Zucht. Da will ich gar nicht mit Tricks arbeiten, ich kann es den Völkern nicht verdenken, wenn sie keine Königinnen pflegen wollen. Der Begattungserfolg der ersten Zuchten tendierte nahe Null. Das tat weh, weil mir eine ganze Generation bei der Vermehrung fehlte. Das konnte ich leider nicht mehr aufholen.

Überraschungen gab es bei meinen Hygienetest auch ein wenig. In diesem Jahr stellte ich auf die Auswertung des Nadeltests nach acht Stunden um, wie es in der AGT praktiziert wird. Als positiv gilt dabei jede geöffnete Zelle, auch wenn sie nicht, oder nicht komplett ausgeräumt wurde. Ich führte den Test zweimal durch, einmal während einer Trachtlage im Juni und einmal nach der Tracht im Juli. Der Mittelwert ist dann sehr aussagekräftig und gibt einen spannenden Blick in das Verhalten der Völker. Es gibt Völker denen ist während der Tracht die Bruthygiene völlig wurscht, was schon mal eine kritische Anfälligkeit sein kann. Drei Zuchtmütter sind als Spitzenreiter mit Werten von bis zu 90% aus dem Test als Sieger hervorgegangen, u.a. die oben genannte B533 😉 Mein persönlicher Liebling B101 ist mit einem Wert von 75% ebenfalls dabei. Das läßt sie für das nächste Jahr in die erste Liga aufsteigen.

Anfang Juli erhielten wir die Testköniginnen des EurBeST-Programmes (ich hoffe, da rührt sich bald mal was auf der Webseite). Die Königinnen wurden in Kunstschwärme eingeweiselt und hochgepflegt. Zur Zeit werden die Völker schon engefüttert. Die Kunstschwärme wurden mit Varromed behandelt und werden im Winter keine Restentmilbung bekommen. In der nächsten Saison müssen sie dann zeigen, wie sie mit der Situation zurecht kommen. Sie werden dabei mit den Völkern meines Betriebes verglichen.

Ein Stand mit einem Teil der EurBeST-Testvölker

Das soll es mit einem Abriss dieses Jahres gewesen sein. Ich wünsche uns allen eine guten Abschluss der Saison und ein erfolgreiches neues Jahr!

Zuchtjahr 2019 – Nachlese

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