Nicht sehr viele Imker in Oberbayern pflegen ihre Bienenbestände durch sachgerechte Zucht. Von den etwa 8000 Imkern in Oberbayern nutzten z.B. im Jahr 2009 nur 235 die 11 (!) Carnica-Belegstellen. Das ist schade, denn die Erfolge können sich sehen lassen. Die züchterisch bearbeitete Carnica ist wesentlich fruchtbarer, sanftmütiger und schwarmträger als die Landbiene und in ihren allgemeinen Eigenschaften auf einem höheren Niveau.  Mit ihr lassen sich moderne Betriebsweisen nutzen, jedoch sind mehr Eingriffe als z.B. bei Buckfastbienen nötig.

Meine getesteten Carnicas stammten zwischen 1994 und 2014 von sechs verschiedenen Züchtern. Diese Linien konnten sich unterm Strich nicht gegen meine Buckfast behaupten. Sie konnten in Sachen Fruchtbarkeit, Honigleistung und Sanftmut mit meinen Linien unbedingt mithalten, erfordern jedoch deutlich mehr Aufmerksamkeit während der Schwarmsaison. Die Honigstapelung erfolgt recht brutnestnah. Überraschend war die überwiegend schlechte Fähigkeit vernünftige Waben im Naturbau zu erstellen, oder kleinzellige Mittelwände auszubauen. Das bekommt man durch Selektion sicher hin, wollte ich aber nicht tun.

Allgemein wurde bei der Zuchtcarnica eine hohe Homogenität des Zuchtbestandes erreicht, wenn auch gerade in Sachen Schwarmträgheit in den letzten Jahrzehnten kein Fortschritt mehr erreicht werden konnte. Meiner Ansicht nach ist dies der größte Mangel an dieser sonst sehr guten Biene.