Carnica-Bienen sind in Deutschland eingeführt worden. Sie stammen aus dem süd-östlichen Teil der Alpen und dem angrenzenden Balkan, also Steiermark, Kärnten, Ex-Jugoslawien und Ungarn.  Ursprünglich bildeten Carncavölker nur sehr kleine Einheiten die  sehr schwarmfreudig waren. Dadurch konnten große Mengen an Carnicabienen als Schwärme schon zu Beginn des Eisenbahnzeitalters verkauft werden. Diese Bienen existieren nicht mehr. Die züchterisch stark bearbeitete heutige Carnica ist wesentlich fruchtbarer und schwarmträger als die einstige Naturrasse sowie in ihren allgemeinen Eigenschaften auf einem höheren Niveau.  Mit ihr lassen sich moderne Betriebsweisen nutzen, jedoch sind mehr Eingriffe als z.B. bei Buckfastbienen nötig.

Meine getesteten Carnicas stammten zwischen 1994 und 2014 von sechs verschiedenen Züchtern. Diese Linien konnten sich unterm Strich nicht gegen meine Buckfast behaupten. Sie konnten in Sachen Fruchtbarkeit, Honigleistung und Sanftmut mit meinen Linien unbedingt mithalten, erfordern jedoch deutlich mehr Aufmerksamkeit während der Schwarmsaison. Die Honigstapelung erfolgt recht brutnestnah. Überraschend war die überwiegend schlechte Fähigkeit Naturbau zu erstellen, oder kleinzellige Mittelwände auszubauen. Das bekommt man durch Selektion sicher hin, wollte ich aber nicht tun.

Allgemein wurde bei der Zuchtcarnica eine hohe Homogenität des Zuchtbestandes erreicht, wenn auch gerade in Sachen Schwarmträgheit in den letzten Jahrzehnten kein Fortschritt mehr erreicht werden konnte. Meiner Ansicht nach ist dies der größte Mangel an dieser sonst guten Biene. Nur wenige Imker in Oberbayern pflegen ihre Bienenbestände durch sachgerechte Zucht. Von den etwa 8000 Imkern in Oberbayern nutzten z.B. im Jahr 2009 nur 235 die 11 (!) Carnica-Belegstellen.