Die Buckfast gehört zur Art „Apis mellifera“, der westlichen Honigbiene. Sie ist eine Rasse die im Laufe von fast 70 Jahren in England erbfest aus verschiedensten Herkünften gezüchtet wurde. Der Ursprung war jedoch mit einer Katastrophe verbunden. In den 1910er Jahren wurden in England beinahe alle Bienenvölker Opfer der Tracheenmilbe. Die dort heimische englische Biene, eine Vertreterin der dunklen Rasse ‚apis mellifera mellifera‘, wurde gänzlich ausgerottet. In einem Kloster in Südengland stellte jedoch ein junger deutscher Mönch, Karl KEHRLE (Karl Kehrle wird sonst immer ‚Bruder Adam‘ genannt, da ich aber den Katholizismus nicht billige, vermeide ich diese Wendung möglichst.), fest, daß dort einige Exemplare einer Kreuzung der italienischen Biene aus dem Piemont mit der alten englischen Biene gegen diese Seuche immun waren und außerdem auch sonst noch sehr gute Eigenschaften zeigten. Das war die Geburtsstunde der Buckfastbiene!

Was darauf folgte ist wohl bis heute einzigartig in der Bienenzucht. Durch ständige Selektion aus zeitweise bis zu 1200 Völkern wurde eine Linie geschaffen, bei der wichtige Grundeigenschaften zum „Markenzeichen“ wurden:

  • Fleiss und Sammeltrieb
  • Krankheitsfestigkeit
  • Sanftmut
  • Fruchtbarkeit
  • Schwarmträgheit

Die weitere Zucht der Buckfast-Biene

Durch diesen Erfolg ermutigt begann der junge Mönch ein ehrgeiziges Vorhaben. Er wollte durch Einfügen anderer Bienenrassen eine ‚optimale‘ Biene züchten. Im Vordergrund stand für ihn dabei eine Biene die mit geringem imkerlichen Aufwand im biologischen Optimum wirtschaftlich gehalten werden kann. Nur Eigenschaften zählen, nicht das Aussehen.

„Buckfast-Zucht“ bedeutet in der Praxis, Zucht unter Bewahrung des genetischen Potentials ohne dauerhafte Inzucht (Reinzucht) die genetische Erosion bewirkt.

Zuhilfe kamen ihm dabei die Forschungen des Dr. ARMBRUSTER in den dreißiger Jahren über die Vererbung bei der Honigbiene und des Dr.MACKENSEN in den vierzigern Jahren über die künstliche Besamung.

In den dreißiger Jahren erreichte KEHRLE durch die Kombination mit der dunklen französischen Biene eine bis dahin ungekannte Qualität. Aber er sah immer noch Möglichkeiten zum Fortschritt.

Ab 1950 unternahm Karl KEHRLE zahlreiche Reisen in den gesamten Verbreitungsbereich der westlichen Honigbiene. Mitgebracht hat er davon ebenso zahlreiches Zuchtmaterial. In den Buckfaststamm eingefügt wurden bislang folgende Rassen:

  • Cecropia (Urform der Carnica aus Griechenland)
  • Anatolica
  • Athos-Biene (Halbinsel Chalkidiki)

Diese Linien wurden erst nach mindestens sieben Jahren Prüfung und Selektion eingefügt und bildeten dann einen neuen Buckfaststamm. Seine Versuche mit der Monticola und Sahariensis konnte er leider nicht mehr selber zu Ende führen. Viele weitere Zuchtversuche verliefen erfolglos, so z.B. die Einfügung der finnischen Biene oder Versuche mit über 60 Carnica-Herkünften. Diese Zuchten erwiesen sich nicht als überlegen zum bereits erreichten.

Buckfastzucht heißt also ausserdem NICHT ständiges Importieren von ausländischen Bienen! Das wird ganz selektiv und selten gemacht, wenn die Chance gesehen wird bestehende Eigenschaften über Kombinationszucht zu verbessern oder gar einzufügen.

Derzeit wird die Zuchtarbeit europaweit durch die Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker engagiert koordiniert und weitergeführt, wohlgemerkt auf privatwirtschaftlicher Basis nahezu ohne staatliche Förderung! Der Imkerschaft stehen in Mitteleuropa mehr als ein Dutzend Belegstellen zur Verfügung.

Heute ist die Buckfast-Biene fast weltweit verbreitet. Karl Kehrle starb am 1.September 1996 im 99. Lebensjahr, ziemlich alleine in einem Altersheim. Aber das ist eine ganz andere, etwas traurige Geschichte …