Das ist nun der 100. Artikel, stelle ich gerade fest! Da schreib ich mir jetz mal ein paar Gedanken von der Seele. Wahrscheinlich werde ich von ein paar Kollegen dann schief angeschaut, aber es muss ja erlaubt sein auch mal quer zu denken.

Wie ja allgemein bekannt ist, bin ich viel in Imkerforen unterwegs. Es erschreckt mich immer wieder, wie durch die „Rassenfrage“

  1. ein Feindbild aufgebaut wird
  2. Fronten geschaffen werden
  3. Unterschiede ersonnen werden
  4. Flammende Diskussionen provoziert werden
  5. Unwissenheit zu Tage tritt

Anscheinend meine einige Leute immer noch, dass ein gemeinsames Feindbild geeignet ist um gleichgesinnte an sich zu binden oder um sich zu scharen. Da gibt es doch wahrlich bessere Möglichkeiten, z.B. das gemeinsame Arbeiten an der eigenen Sache und versuchen sie zu vervollkommnen. FÜR etwas zu sein ist immer besser als GEGEN etwas zu sein, denn häufig liegt man in der Einschätzung des ach so falschen haarscharf daneben. GEGEN etwas lassen sich auch offensichtlich häufiger Mitstreiter rekrutieren als FÜR etwas. Intoleranz vermeidet darüber hinaus ziemlich gründlich die Aufnahme neuen Wissens.

Nun stellt sich die Frage, ist denn die Buckfastbienen tatsächlich so was besonderes? So Besonders, dass man dagegen Sturm laufen muss, oder wie sich einmal der Herr Vollmaier am 20.06.2010 in Bergen im Ton vergriff als er schrie:

„Wehret den Anfängen!“?

Na, die Anfänge hat der Herr schon lange verpasst. Seit 1960 werden in DE erfolgreich die Buckfastbienen gehalten und seit spätestens 1971 auch geregelt gezüchtet über kontrollierte Begattung. Bei der schnellen Generationenfolge der Bienen wären tatsächliche Probleme oder Schwierigkeiten schon lange aufgetaucht. Die gab und gibt es aber nicht. Wiederholte Versuche von Instituten (zuletzt bis 1999) haben zur Klarheit auf einer objektiver Basis beigetragen.

Warum sollten auch Probleme auftauchen? Aus tierzüchterischer Sicht ist Buckfastzucht eine bekannte Methode um vitale Tiere zu züchten. Bitte nicht übersehen, dass der Anfang der Buckfastzucht aus Tiergesundheitlichen Gründe (Tracheenmilbe) geschah und nicht wegen der Erhöhung der Leistung. Diese Möglichkeit zeigte sich im Rahmen des weitergehenden Zuchtfortschrittes. Die Vitalität stand und steht bei der Zucht immer im Vordergrund. Bei vitalen Völkern wird die Leistung immer stimmen. Völker die eine Schwäche haben oder nicht angepasst sind werden auch keine Leistung bringen. Auch diese Wechselwirkung soll bedacht sein. Und in dieser Hinsicht haben sich die Buckfastvölker voll bewährt.

Und bitte, wir sprechen hier von Zucht mit Paarungskontrolle. Die allgemeine Bienenhaltung wird von Tieren die aus kontrollierter Paarung stammen ohnehin  positiv beeinflußt.

Kombinationszucht ist eine gängige Methode in der Tierzucht um der genetischen Erosion durch Reinzucht entgegenzuwirken. Reinzucht innerhalb einer geographischen Herkunft wird eine noch engere genetische Ausstattung bewirken (wie natürlich jegliche unbedachte menschlichen Eingriffe in die Fortpflanzung von Nutztieren).

Aus diesen Gründen ist z.B. das Fleckvieh entstanden. Viele Bauern in meiner Region stiegen in der Nachkriegszeit auf Fleckvieh um, da die Krankheitsanfälligkeit der regionalen Rassen sehr hoch geworden war, teilweise Existenz bedrohend. Das Fleckvieh nun ist eine gezielte Anpaarung des Simmentaler Rindes mit Red Holstein. Wer möchte bezweifeln, dass diese Zucht erfolgreich war, erbfest weiterzuführen ist und oben drein wirtschaftlich ist? Zucht innerhalb einer Art, wohlgemerkt!

Buckfastzucht ist nichts anderes als die Anwendung der Methoden die auch sonst in der Tierzucht angewendet werden.

Ist die das wirklich? Ja schon, ABER. Anfänglich werden neue Herkünfte, die evtl. Importe ursprünglichen Materials sind, eingekreuzt. Danach erfolgt ausführliche scharfe Selektion und danach Reinzucht mit den bewährten Linien. Die Zucht auf den Belegstellen erfolgt ausschließlich durch Verwendung von über mehrere Generationen selektiertem und reingepaarten Elterntieren.

Carnicazucht ist Reinzucht wie sie in der Hobbyzucht von Katzen, Hunden, Tauben oder Kaninchen angewendet wird.

Ist sie das wirklich? Werden denn nicht auch häufig auf den Carnica-Belegstellen entfernt verwandte Linien aufgestellt? In Bayern eine Kirchhainer Linie die auf Norderney angepaart wurde, oder in Oberösterreich eine Linie aus den Karapten. Ja, das Aussehen der Bienen ist Carnica. Ist der Genotyp aber wirklich so ähnlich? Haben wir hier nicht die gleichen Bedingungen wie bei Buckfastzucht, wenn verschiedene schon selektierte kontrolliert gepaarte Herkünfte aufeinander losgelassen werden? Ja, dem ist so, denn einen Carnicaerbfaktor der selektiert werden könnte gibts nicht. Bekommt man damit gute Bienen? Ja selbstverständlich, jedoch ist nicht möglich gewisse Schwächen zu ändern, weil die Anreicherung mit Linien die besser sind aus strategischen Gründen ausgeschlossen ist. Deshalb sind z.B. der Selektion auf Schwarmträgeit bei der Carnicazucht Grenzen gesetzt. Die Gleichförmigkeit der Zuchtpopulation bewirkt natürlich eine höhere Voraussagbarkeit des jeweiligen Zuchtergebnisses.

Lustig ist in diesem Zusammenhang die schöne Grafik, die gerade wieder in der Österreichischen Bienenzeitung zu sehen ist, beim Artikel über 20 Jahre Carnicazuchtgemeinschaft ACA. Da wird gezeigt, wie sich durch die Zucht in der ACA der Honigertrag erhöht hat. http://www.aca.at/index.php?seitenId=7

Die Steigerung der Durchschnittserträge soll den Zuchterfolg belegen
Die Steigerung der Durchschnittserträge soll den Zuchterfolg belegen

Was ist hier passiert? Selbstverständlich wurde ein Zuchterfolg erreicht. Die Grafik suggeriert aber eine Erhöhung des durchschnittlichen Ertrages auf das zweieinhalbfache, ein Zuwachs um 150%! Lt. Prof Bienefeld gilt nun nach letzten Berechnungen derzeit um rund 0,25 kg pro Volk und Jahr. Wie man der Grafik entnehmen kann wurde der große Sprung im Fortschritt in den ersten zehn Jahren erreicht. Seitdem hat sich der Ertrag auf dem höheren Niveau stabilisiert. Ist das aber ein ZUCHTerfolg? Ich behaupte das es dies nur teilweise ist. Die Ausgangspopulation war unselektiert. Durch die Erfassung der Leistungsdaten wurden nun bei Beginn die schwächeren Völker ausselektiert. Man begann ja mit unselektierten Völkern. Die besten wurden vermehrt, die schlechten liefen nicht mehr in die Berechnung ein und senkten den durschschnittlichen Ertrag nicht mehr. Hier hat also überwiegend eine rein mathematisch statistische Bereinigung der Leistungsdaten stattgefunden! Auf diesem Wege läßt sich natürlich auch ein Erfolg vorgaukeln, allerdings ist das für mich ein Lügen in die eigene Tasche. Aber zurück zum Thema.

Wo ist also der Unterschied? In der Breite der genetischen Ausstattung. Durch die Vernachlässigung der Beurteilung der Körpermerkmale ist es möglich, gute Bienen die entfernt verwandt sind miteinander zu paaren. Dadurch entsteht eine stetige Anreicherung des Genpools mit positivien Eigenschaften ohne in die Gefahr der Inzucht zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit einer passenden Anpaarung ist etwas geringer als bei Reinzucht ala Carnica. Das ist systemimmanent, jedoch Bestandteil des Zuchtvorhabens, „einer stetigen Annäherung an das Ziel“.

Alle unsere apis mellifera stammen entwicklungsgeschichtlich von einer Ur-Honigbiene ab. Diese Ur-Honigbiene hatte ebenso 32 Chromosomen mit einer umfangreichen Ausstattung an Eigenschaften die ihr das Überleben in unterschiedlichsten Klimagebieten ermöglichte. Durch ihr eigenes „Wanderverhalten“ verbreitete sie sich um den gesamten Mittelmeerraum herum, bis an den Polarkreis. Wurde aus ihr eine andere Art? Nein. Es entstanden Unterarten

Carnicazucht bewegt sich innerhalb der Unterart aus der karnischen Region und hat sich von der Urform der Carnica durch züchterischen Einfluß schon recht weit entfernt. Buckfastzucht nutzt den gesamten Genpool der apis mellifera, den sie ursprünglich hatte. Das sollte uns doch nicht stören.

Ist Buckfast also SO was besonderes? Ja, einerseits schon, der Zuchtweg ist halt ein anderer und die Eigenschaften sind auch etwas anders. Ich persönlich habe in ihr mein Lieblingstier gefunden und solange mit ihr imkern bis mir jemand etwas unterm Strich besseres bringen kann. Andererseits imkert man mit ihr wie mit jeder anderen Zuchtform der apis mellifera auch. Es ist einfach eine Europäische Honigbiene und nur weniges MUSS man mit ihr anders machen. Wenn dann immer Fragen kommen, wie „Kann ich dieses oder jenes mit der Buckfastbiene machen“ oder „Wie mache ich dieses oder jenes mit Buckfast“. „Hey, Leute, machts doch einfach! Das sind ganz normale Bienen!“ möchte ich dem Fragenden zurufen!

Aber jetzt ist Schluß, eh schon viel zu lange geworden …

 

Buckfastbienen – sind die so was besonderes?

3 Gedanken zu „Buckfastbienen – sind die so was besonderes?

  • 17. Juli 2012 um 19:03
    Permalink

    Danke – interessanter Beitrag.
    Ich finde beim Thema Zucht treffen schnell Menschen aufeinander. Das ist bei Hundezucht genau das selbe.
    Vorallendingen wird oft das Augenmerk auf irgendwas nicht so wichtiges gelegt wo doch Gesundheit und Vitalität an erster Stelle stehen sollten und untergeordnet irgendwelche optischen Merkmale.

  • 27. Juli 2012 um 10:25
    Permalink

    Hallo Reiner,
    danke für diesen Beitrag.

  • 27. Juli 2012 um 11:03
    Permalink

    Kleines Update:
    Sind unsere „Reinzüchtungen“ nur deshalb so gut, weil unsere Belegstellen so unsicher sind?
    Meiner Meinung nach, ja.

Kommentare sind geschlossen.