In diesem Frühjahr gibt es rege Bewegungen auf dem Bienenmarkt. Grund dafür sind die durch die Bank hohen Verluste an Völkern. Nun las ich neulich eine Suchanzeige eines Imkers mit hohen Verlusten. Darin stand unter anderem:

„Keine Preistreiber oder Wucherbienen“

Logisch möchte man Kollegen gerne unter die Arme greifen. Müssen deshalb aber die Völker „verschenkt“ werden? Was ist denn ein angemessener Preis für ein Volk im Frühjahr?

Angemessen ist ein Preis, wenn er sowohl für den Käufer als auch dem Verkäufer einen angemessenen Gegenwert darstellt. Stellen wir eine kleine Betrachtung an, anhand eines Dadantvolkes, das auf sieben Waben sitzt und damit nun aufsatzreif ist. Der reine Materialwert an Rähmchen und Wachs (Rückstandsfrei)  ist ca. 22€. Dazu kommt ein Anteil von vorhandenem Futter  ca. 4€. Verbrauchtes Futter über den Winter 12€. Das Bienenmaterial an sich ist zu bewerten mit 40€ für 1,5kg Bienen und 15€ für eine standbegattete Königin. Varroabehandlungsmittel kosten auch was.

Der reine Materialwert bewegt sich also in der Größenordnung von mindestens 80€!

Hatte der Verkäufer mit diesem Volk irgendwelche Arbeit? Mit Sicherheit! Welchen Stundenlohn setzen wir an? Wieviel Arbeitszeit? Gehen wir von einem Aufwand von 12h/Jahr pro Volk aus, bleibt also für Ein- und Auswinterung sowie Varroabehandlung nochmals ein Zuschlag von 10 – 20€.

Bislang waren die berechneten Kosten reine aufgewendete Kosten. Nun würde das Volk ja auch noch einen Honigertrag bringen, oder nicht!? Gehen wir von einer durchschnittlichen Frühtracht aus mit 15kg sind das nach Großhandelspreis 45€. Die Waldtracht lassen wir mal aussen vor, da gebildete Ableger oder Schwärme aus dieser auch schon wieder Ertrag bringen können.

Also zusammenfassend:
Rähmchen mit Mittelwänden   22,-
Futterkosten                       16,-
Bienen                               40,-
Königin                              15,-
Arbeitszeit                          20,-
Honigertrag                        45,-
Summe                             158,-

Wie wir sehen können, ist ein Preis von 100€ für ein Volk ist also auf keinen Fall zu hoch, eher im Gegenteil. Kostendeckend wären nach obiger, noch nicht mal vollständigen, Berechnung eher 150€!

Damit stellt sich nun nur noch die Frage, ob ein Käufer so fair ist und den Kollegen für seine geleistete Arbeit und das Produkt auch angemessen zu entlohnen möchte. Denn jeder, der ordentliche Arbeit leistet, möchte doch vernünftig dafür bezahlt werden.

Damit keine Missverständnisse aufkommen, ich verkaufe keine Völker …

 

Was ist ein Bienenvolk wert?

4 Gedanken zu „Was ist ein Bienenvolk wert?

  • 12. April 2012 um 11:41
    Permalink

    Hallo Reiner,
    danke, aber das musste mal gesagt werden.
    Ich kann die Heulerei der „Kollegen“ auch nicht mehr hören, denen 100 Euro für ein Volk zu teuer sind.
    Verständlich ist es schon, kommen doch jedes Jahr die gleichen.
    Nein, auch ich verkaufe keine Völker.

  • 15. April 2012 um 11:32
    Permalink

    Hallo Reiner,
    da scheibst du mir aus der Seele. Dieses Jahr sind die Preise wenigstens etwas besser, was natürlich an der Nachfrage liegt. Unter 130€ geht mit keine Volk (Zander) weg, Dadant 150€.
    Wem das zuviel ist der soll sehen, dass er seine Bienen selbst über den Winter bekommt!
    Eine kollegiale Unterstützung oder Förderung eines Jungimkers sieht natürlich Ausnahmen vor. Das ist aber was anderes.
    Wenn man zur Zeit die Anzeigen bezüglich der Kunstschwärme ansieht, die für 120€ 1,5 kg Bienen oft OHNE Seuchenzeugnis unbekannter Herkunft anbieten, die auch noch gekauft werden!?? Da müsste der Preis für seriös angebotene, in Brut befindlichen Völker noch viel höher sein.
    LG
    Matthias

  • 17. April 2012 um 08:42
    Permalink

    Hallo, ihr beiden. Dann bin ich ja mit meiner Meinung nicht ganz falsch dran. Danke für die Bestätigung!

  • 22. April 2012 um 19:40
    Permalink

    Hallo Reiner!

    Hast ja vollkommen Recht!
    150 € für ein Bienenvolk, das richtig gut stark ist und dann auch viel Honig bringen wird (falls auch Trachtangebot da ist) ist nicht zu viel.

    Ich halte es wie die Schreiber vor mir: Ausnahmsweise gibt es für Jungimker und Imker mit außergewöhnlichen 100 % Verlusten ein Volk für 100 €.

    Außergewöhnlich heißt nicht „regelmäßig“. Solchen Imkern gebe ich schon lange keine Völker mehr.
    Und außerdem gebe ich nur die Völker ab, die ich zuviel habe.
    Auch ich rechne mit regelmäßigen Verlusten von 10 %.
    Hatte ich zwar zwar die letzten Jahre nicht, aber man kann ja nie wissen.

    Sag niemals nie!

    Gruß
    Stefan

Kommentare sind geschlossen.