Seit einigen Monaten wird in verschiedenen Imkerforen wieder (entschuldigt den Ausdruck) eine „alte Sau durchs Dorf getrieben“. Es geht um die Sache mit den kleineren Wabenzellen. Ich habe den Eindruck, dass besonders Imkerneulinge gerne auf die sehr ausführlichen Schilderungen eingehen und nun voll Feuereifer die Sache testen möchten.

Hinter der Geschichte stehen die Erfahrungen v.a. der Familie Lusby aus den USA die in ihrer großen Vollerwerbsimkerei alle Völker auf Mittelwände mit einer Zellprägung von nur 4,9mm umstellten. Ihren Ausführungen zu Folge besiegten sie dadurch zunächst die Tracheenmilbe und danach die Varroamilbe. Der Wert 4,9mm wird ermittelt wie auf dem folgende Bild zu sehen:Das Bild zeigt eine Wabe die aus einer Mittelwand mit normaler Zellprägung entstanden ist. Wie man sieht, wird nicht mit einer Schieblehre das Zelleinnere gemessen, sondern die Strecke die von 10 Zellen bedeckt wird. Exakter für die Angabe der Zellgröße wäre eigentlich der Wert wieviele Zellen auf einer bestimmten Fläche Platz finden. Tatsächlich wurde das auch früher so ausgedrückt, nämlich in Zellen/dm². Heutige Standard-Mittelwände haben ca. 370 – 390 Zellen/dm². Aus alten Bücher geht hervor, das in Mitteleuropa 440 Zellen/dm² üblich war (entsprechend 5,1mm Zellgröße). Bei noch kleineren Zellen finden sich 480 Zellen/dm² (entsprechend 4,9mm Zellgröße). Die Packungsdichte im Brutnest war also früher erheblich höher, d.h. bei gleicher Brutzellenanzahl war die Oberfläche des Brutnests kleiner. Für die Varroa nahm man an, dass  sich die Milbe in der kleineren und somit engeren Zelle weniger bis gar nicht vermehrt.

Ich war seit 2002 dabei, als Thomas Kober und andere die Theorie von den kleinen Zellen in der Praxis ausprobierten. Wir waren enge Imkerfreunde und haben bis heute Kontakt. Ich konnte viel aus seinen Arbeiten lernen. Insgesamt waren dabei gut 400 Völker am Start. Wir hatten direkten Kontakt zu Erik Österlund, Dee Lusby, Roger White sowie weiteren Kollegen, die weltweit die Theorien der Lusbys testeten. Damals sprachen die Lusbys übrigens noch gar nicht von einem Downsizing mit Plastikwaben. Ein Kuriosum waren jedoch Plastik-Mittelwände aus den USA mit einer pyramidenartigen Zellprägung mit 4,9mm Größe – in Giftgrüner Färbung. Das sah im Volk echt knackig aus! Wir führten das Downsizing mittels Zwischenschritt auf 5,1mm  Zellen durch. Diesen Schritt machten besonders die Reinzucht Carnicabienen von bayerischen Prüfhöfen gar nicht mit. Die Mittelwände wurden sehr schlecht ausgebaut. Im Gegensatz dazu, konnten es nahezu alle Buckfastvölker sofort. Bienen aus Afrika wie Sahariensis, Monticola und Scutellata bzw. Linien die auf diesen Herkünften basieren bauen kleine Zellen fast immer sehr gut aus. Es ist ihr angestammtes Zellmaß. Unsere Bienen hatten nie so kleine Zellen … Was würden wir wegselektieren wenn wir unsere Bienen auf die Baufähigkeit für Kleine Zellen auslesen? DAS Selektionskriterium an sich ist ein anderes – das Überleben bei Nichtbehandlung.

So toll sahen viele Brutwaben aus

Wenn ich die Threads in den Foren derzeit lese, überkommt mich ein schlechtes Gefühl. Keiner von uns konnte damals die Erfolge nachvollziehen. Thomas Kober erlitt mit seinem Versuch alle Völker unbehandelt auf kleinen Zellen zu lassen, kompletten Schiffbruch. Verlust ca. 95%!! Und es waren nicht nur 50 Völker, sondern schon etwas mehr. Trotz Downsizing etc. Der „Versuch“ war also auch statistisch aussagekräftig. Die Standgrößen waren nie > 15 Völker und die Standorte lagen jeweils ausserhalb des Flugkreises der anderen (eigenen). Die 49er MW wurden übrigens bei ihm überwiegend perfekt ausgebaut! Die Fähigkeit 49er MW auszubauen ist IMHO mit einer geringen Heritabilität ausgestattet. Beispiel ist ein von mir gefangener Carnicaschwarm der perfekt 49er ausbaute, die Nachzuchten davon gar nicht. Es ist sehr von den Umständen abhängig. Im Frühjahr wenn das Brutnest von den Bienen ausgedehnt wird, werden Kleine Zellen sehr gut ausgebaut. Im Herbst dagegen gar nicht gut. Im Frühjahr sind die Bienen kleiner, im Herbst größer.

Aber auch so sahen viele aus!

Der Wabenabstand wurde bei mir auf 32mm reduziert. Nach einem anfänglichen Lichtblick verbesserte sich die Qualität der ausgebauten Mittelwände leider nicht.

Wir hatten damals anfangs die Schwedischen Mittelwände im Einsatz. Die waren jedoch ziemlich rückstandsbelastet. Da nahezu alle Mitstreiter aber Bio-zertifiziert waren, verwendeten wir die MW von der Oberpfalzwabe. Adolf Kieweg (der Chef der Oberpfalzwabe) war damals ein eifriger Mitstreiter und setzt bis heute 49er ein. Die Reckung der MW geschieht beim Walzprozess. Je schneller die Wachsbahn gefahren, desto mehr zieht sich das Muster in die Länge. Er reduzierte die Geschwindigkeit an die untere mögliche Grenze um den Effekt (der bei gewalzten MW immer auftritt) zu reduzieren. Ausserdem erhöhte er die Stärke der MW. Mit diesen MW arbeiteten wir damals. Adolf ist leider sehr krank und hat seinen Wachsbetrieb verkauft. Er imkert aber immer noch begeistert weiter – mit Kleinen Zellen, kann aber nicht auf eine Behandlung verzichten.

Ein Kollege brachte später sogar Völker die über Jahre hinweg unbehandelt auf Bornholm geführt wurden nach Bayern – mit dem Ergebnis, dass sie nach einem Winter nicht mehr da waren. Ich bin zur Überzeugung gelangt, dass Varroatolerenz  an eine starke regionale Komponente gebunden, die wir bislang noch nicht erfassen können. Ähnlich in USA, wo die Bienen der Lusbys andernorts auch nicht ohne Behandlung überleben. Überall wo derzeit Varroatoleranz unter Völkern beobachtet werden kann, ist die Bienendichte DEUTLICH niedriger als bei uns (Arizona, Lapalma, Bornholm, Schweden, Primorje, Oderbruch, Schwäbische Alb). Meine TOP-Survivorvölker waren drei Winter ohne Behandlung. Dann kam aber der schnelle Zusammenbruch. Josef Koller geht es ähnlich. Housel-Positioning hin oder her, das machte sowieso keinen Unterschied. Erik Österlund hat übrigens erst seit vier Jahren Varroa an seinen Ständen, und anfänglich große Verluste gehabt.
Darüber hinaus wird auf Bornholm und bei anderen seit über 15 Jahren erfolgreich mit normalen Zellen ohne Behandlungen geimkert!!!

Bei seinen neuen Bildern auf der Homepage schreibt ein Verfechter der Lusby-Theorie wieder von der kleinen Zelle in der sich die Varroa nicht vermehrt. Das stimmt definitiv nicht. Ist auch logisch. Man denke an die apis cerana, dort ist die Zelle noch kleiner, die Varroa vermehrt sich in den Zellen dennoch, halt nicht so stark weil die Verdeckelungszeit kürzer ist. Tatsächlich ist die Packungsdichte bei kleinen Zellen höher, was eine bessere Temperaturregulation der Brut im Volk ermöglicht. Die kleineren Zellen an sich bewirken in keiner Weise eine Reduktion der Varroareproduktion!

Ich möchte nicht bestreiten, dass es bei einigen Imkern ohne Behandlung funktioniert. Das ist schön und zeigt die großen Leistungen unserer Bienen im Erhalt der eigenen Gesundheit. Jedoch stammen diese Berichte nur aus „Insellagen“ buchstäblich oder einfach der geografischen Lage geschuldet. Neben anderen Effekten ist die Bienendichte in den meisten Landschaften Deutschlands dafür einfach zu hoch.

Ich kann nur jeden warnen, blindlings auf diesen Zug aufzuspringen, in der Hoffnung seine Völker nicht mehr behandeln zu müssen. Das könnte durchaus sein, aber nur weil er keine Völker mehr zum Behandlen hat.

Dennoch, Kleine Zellen SIND natürlicher. Ich verwende nur noch 5,1er MW bei 32mm Wabenabstand, da diese von meinen Bienen immer gut ausgebaut werden. Die Frühjahrsentwicklung ist stabiler und über die gesamten Völker gesehen gleichmäßiger, d.h. auch schwach ausgewinterte Völker starten gut los und erleiden keinen Futterabriss mehr. Mit Brutkrankheiten hatte ich nie wirklich ein Problem. In 20 Jahren litten insg. drei Völker unter leichter Kalkbrut. Nun aber gar nicht mehr. Deshalb hatten wir damals ein Logo entworfen:

Meine Bienen gedeihen auf Kleinen Zellen!
Meine Erfahrungen mit den „kleinen Zellen“

11 Gedanken zu „Meine Erfahrungen mit den „kleinen Zellen“

  • 26. Januar 2012 um 18:07
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    Reiner,

    danke für diesen ausführlichen Erfahrungsbericht! Eine schöne Ergänzung zu unserem letzten Briefwechsel 🙂
    Ich bin mir sicher, dass die, die nicht mehr behandeln wollen, nicht faul sind. Säuren – und wer weiss was sonst noch alles – in die Völker zu schütten macht nicht wirklich Freude.
    Es wird der Tag kommen, an dem sich alles zum Guten wenden wird. Mögen wir Teilhaber werden ;-))
    Gruss frank

  • 29. Januar 2012 um 18:23
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    Hallo Rainer,
    schön, dass deine Erfahrungen nun doch öffentlich zugänglich sind.
    Jeder der mit kleinen Zellen beginnen will, sollte diese gelesen haben.

    Grüße
    Raimund

  • 1. Februar 2012 um 11:04
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    Hallo, danke für Eure Kommentare. Ihr habt gemerkt, es geht mir nicht darum die Erfolge anderer klein zu reden. Man sollte aber auch erzählen wie es trotz hoher Motivation laufen kann und schon gelaufen ist. Ich habe mir gestern abend nochmals den alten Schriftverkehr mit Dee Lusby herausgesucht und durch gelesen. Wir haben alles so nach dem damaligen Wissenstand gemacht. Man muss ja auch noch berücksichtigen, dass die Lusbys durch „die Umstellung“ auf ein anderes Zellmass ja gelichzeit eine komplette Bauerneuerung machten. Dieser (positive) Einfluss darf nicht vernachlässigt werden bei der Beurteilung der möglichen Ursachen für die Genesung des Bestandes.

  • 1. Februar 2012 um 12:56
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    Danke Reiner für die gute Info

    lG Kurt

  • 1. Februar 2012 um 16:47
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    Vielen Dank für die Veröffentlichung Deiner Erfahrungen. Als Anfänger und Kleinzellen-Interessierter hat mir dein Bericht sehr geholfen.
    Abgesehen von der Varroa, würdest du die 5,1er MW bei 32mm Wabenabstand empfehlen? Allen die positive Frühjahresentwicklung ist doch ein gutes Argument dafür. Was haben die 5,1er MW für Nachteile oder worauf soll man bei deren Einsatz beachten. Kann ich z.B. im Brutraum die 5,1er MW verwenden und im Honigraum die normalen 5,3er MW? Ich imkere in 12er Dadant.
    Beste Grüße Said

  • 1. Februar 2012 um 23:08
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    @ Said
    Ich sehe kein Problem in deinem Vorhaben.

  • 3. Februar 2012 um 18:39
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    Reiner … ein schöner und interessanter Artikel. Meine Bienen bauen kleine Zellen innen und große außen. Ich schere mich um das Thema nicht wirklich weil es einfach zu einfach wäre würde es so einfach gehen. 😉
    Nichts desto trotz möchte ich dich gern dazu animieren, bei Gelegenheit mal über den Wabenabstand von 32mm und deine Erfahrung damit etwas zu schreiben. Welche Vorteile hast du dabei erfahren, welche haben andere Imker erfahren. Welche Nachteile gibt es? Lohnt der Aufwand der Umstellung etc pp.
    Olli

  • 6. Februar 2012 um 14:31
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    Hallo Reiner,
    könntest du mir einen Tipp geben, wo ich die 5,1 mm Dadant-Brutraum-Mittelwände kaufen kann. Ich brauche nur 2 bis 5 kg.
    sonnige Grüße aus Magdeburg

  • 16. März 2012 um 02:58
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    Hallo,
    ich habe gerade nachgerechnet, auf 5,1 mm MW braucht eine Kö, die 2500 Eier pro Tag ca 5,5 Dadantwaben im Brutnest. In meiner 12er Dadant passen mit dem 32 mm Wabenabstand sogar 14 Waben drin (wenn ich ein dünnes Schied von 4 mm nehme). So könnte ich z.B. eine zwei-Kö-Betriebsweise in der 12er DA betreiben, da stehen jeder Kö in den 7 Waben ca 67872 Brutzellen zu Verfügung, soll ja reichen 🙂
    LG Said

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