Die Saison ist ja nun gelaufen, alle Völker eingefüttert, die Minis vereinigt und aufgefüttert, sowie überwiegend winterfest gemacht. In diesem Jahr überwintere ich nur Minis auf drei Zargen oder mehr. Als Test überwintere ich sieben Apidea-Einheiten mit Überwinterungsaufsatz für weitere fünf Rähmchen, also ins. 10 Rähmchen. Die Apideas stehen im Block 3+3+1 zusammen.

Wir haben freundlicherweise ToBee-Tücher vom Hersteller für einen Test zur Verfügung gestellt bekommen. Dies sind Tücher die mit einem modifizierten Essigsäure-Präparat geträngt sind. Leider konnte wir witterungsbedingt die Frühjahrsbehandlung nicht durchführen. Wir führten jedoch die 2. – 4. Behandlung wie auf der Packung beschrieben durch. Alle behandelten Völker wohnen in 10er Dadant-Holzbeuten.

Die Tücher riechen wie vermutet stark nach Essig. Mit Latexhandschuhen kann man sie problemlos auflegen. Die Völker bleiben ruhig, nur sehr wenig Aufregung ist zu beobachten. Die ersten beiden Tücher wurden nahzu komplett abgetragen, von der dritten Behandlung blieben noch grauselig schwarze Reste im Volk, die sich aber von den Oberträgern leicht entfernen ließen. Die Tücher wurden am 01., 12. und 22. August aufgelegt.
Eine Zählung des Varroabfalles erfolgt bei mir nicht. Paralell dazu wurden der gesamte Restbestand mit unserer Standardmethode behandelt, ebenfalls dreimal.

Für mich ist entscheidend, was an Varroen nach der Sommerbehandlung noch im Volk ist. Deshalb beprobe ich ca. 25% der Völker mit der Alkoholwaschmethode um die Wirksamkeit der Varroabehandlung zu ermitteln. Den Völkern werden ca 200 Bienen entnommen. Diese werden in Spiritus ausgewaschen. Die abgewaschenen Milben werden gezählt und ein Prozentsatz ermittel. Diese Methode ist ziemlich genau. Sie wird von den deutschen Instituten im Rahmen des Bienenmonitoring verwendet.

Das ist das Ergebnis:

Durchschnitt Standardmethode: 6,25% (2,07% – 8,77%)
Durchschnitt ToBee: 18,33% (8,66% – 28,15%)

Bis 4% ist der Befall kein Problem. Bei 10% ist eine 75% Überlebensquote statistisch abgesichert (Lt. Prof. Kaatz, Halle). Bei höherem Befall geht die Überlebensquote drastisch zurück.

Schlußfolgerung:
Allgemein ist der Varroabestand in diesem Jahr höher als im letzten Jahr. ToBee hat bei mir nicht ausreichend gewirkt. Die beste Wirksamkeit ist so gut wie die schlechteste meiner Standard-Methode. Der mangelnde Erfolg kann auf die fehlende Frühjahrsbehandlung zurück zu führen sein. Möglicherweise ist diese nötig um mit diesem recht „milden“ Mittel über die Runden zu kommen. Eine weitere Behandlung mit unserer Standardmethode ist umgehend erfolgt, um die Völker zu retten. Bei der obligatorischen Restentmilbung im Winter wird sich zeigen ob es geholfen hat. Der doch recht hohe Preis (pro Volk ca. 12€/Jahr) und die schwankende Wirksamkeit kann mich derzeit nicht überzeugen.

Schluss und Test-Ergebnis

3 Gedanken zu „Schluss und Test-Ergebnis

  • 7. Oktober 2010 um 10:46
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    Lieber Reiner,
    vielen Dank für diesen Bericht. Da es ja selten ein „perfektes“ Bienenjahr gibt, stellt sich die Frage ob ToBee als „Alleinmedizin“ jemals ausreicht. Als Anfänger vermisse ich ein Mittel bzw. eine Behandlung, das / die wirklich wetterunabhängig wirkt …
    Ich freu mich auf ein Wiedersehen (wann und wo auch immer).
    LGF

  • 8. Oktober 2010 um 14:42
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    Hallo Reiner,
    sehr guter Test bezw. Beschreibung. Ich hatte leider keine Testtücher bekommen und bin jetzt, da ich dein Ergebnis lese, nicht böse drüber. Das mit dem Befall der Völker trifft bei mir auch zu, aber nicht bei allen Völkern. Erstaunlich dabei, dass die letztährigen Favoriten, dieses Jahr zu den Befallstärksten gehören. Ich hege eine gewisse Vermutung bezüglich der Pheromonausstrahlung der Königinnen. Die betroffenen Völker haben 2-3 jährige Weiseln, die allerdings keine Umweiselungstendenzen zeigen und sich sonst in allen anderen Belangen als gut erwiesen haben. Die bei diesen Völkern erforderliche Nachbehandlung, brachte einen Fall von fast ausschließlich dunkelbraunen Milben. Die sahen auch richtig groß und fett aus. Das Überleben der Völker sehe ich als nicht gefährdet, aber wissen werde ich es erst im Frühjahr.
    Das Ganze stellt mich wieder auf den Boden der Tatsachen.
    Die Erwartung stabilere Populationen bezüglich der Varroa aufzubauen ist etwas gedämpft. Na ja, auf ein Neues 2011.
    Herzliche Grüsse
    Matthias

  • 11. Oktober 2010 um 16:39
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    Ich werde nächstes Jahr nochmals einen Test durchführen. Einmal ist keinmal. Möglichweise muss man sich auf eine andere Anwendungsweise mit diesem Mittel einstellen.

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