war das Motto des Konzertabends am 07.06.10 im Rahmen des Chiemgauer Musikfrühlings 2010 im Kunstraum Klosterkirche in Traunstein.

Auf dem Programm standen drei (kammer)musikalische Leckerbissen:
– Carl Maria von Weber: Klarinettenquintett
– Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert in C-Dur, KV 415
– Johannes Brahms: Klarinettentrio

Weinen war zunächst mal angesagt, da der Ehrengast des Abends Heinrich Schiff leider absagen musste. Eine akute Schulterverletzung zwang ihn dazu, derzeit sämtliche Termine abzusagen. Er muss sich zu einer Operation unterziehen.

Das erste Stück im Programm verhies schon viel Gutes. Für Weber war die Klarinette fast ein Lieblingsinstrument. Genauso ist sein Klarinettenquintett in der Besetzung Klarinette, 2 Violinen, Viola und Violoncello angelegt.   Schon das Allegro zu Beginn verlangt dem Solisten höchte Beherrschung seines Instruments ab. Dem Schweizer Reto Bieri gelang dies in vorzüglicher Weise. Er lotete die ganze Dynamik seines Instuments aus ohne je in irgendwelche hörbare Schwierigkeiten zu kommen. Den Ton selbst in ppp-Passagen noch moduliert zu hören war ein seltener Ohrenschmus! Da stören dann selbst klitzekleine Timing-Probleme in den Violinen nicht mehr.

Der Mozart als zweites Stück ist eben ein typischer selbiger. Eine immer zu einem Scherz aufgelegte Komposition. Die gehörte Besetzung war eine Seltene. Nur 2 Violinen, Viola ,Violoncello und Kontrabass flankierten die Solistin am Steinway. Persönlich habe ich eine Abneigung gegen kleine Besetzungen bei Orchesterliteratur. DAS hier war allerdings ein genialer Schachzug. Die solistische Besetzung der Stimmen lässt die Klarheit der Partitur Glänzen. Dem mit Verve vorgetragenen Allegro folgt ein augenzwinkerndes Andante um von einem fetzigen Rondeau Allegro umschlossen zu werden. Eine großartige Interpretation!

Nach der Pause wäre nun eigentlich der Ehrengast Heinrich Schiff im Klarinettentrio von Brahms zu hören gewesen. Für ihn sprang Bernhard Naoki Hedenborg ein, ein Cellist der seit Beginn beim Musikfrühling spielte. Passend ist, dass er seinerzeit bei Herrn Schiff studierte. Auf dei Frage „Lieben Sie Brahms“ würde ich zunächst ein entschiedenes „Vielleicht“ antworten. Da Klarinettentrio ist jedoch ein Werk bei dem ich mich schnell wohl fühlte. Ich kannte es vorher nicht. Die ausgesprochen runde Komposition mit wunderschönen Melodien durchkomponiert, ist ein spätes Meisterwerk Brahms. Und Brahms wäre nicht Brahms, wenn er nicht sogar in die „Klavierbegleitung“ virtuoseste Passagen einbaute, Harmonien die nur er so erdenken konnte. Wieder begeistert das ausnehmend passionierte und phrasierte Spiel des Klarinettisten und des Cellisten, denen man gar nicht galuebn wollte, dass sie das Stück erst ein paar Tage vorher begonnen hatten einzustudieren. Die Dynamik wird ausgelotet ohne in Effekthascherei zu verfallen, kein Tempi verschleppt oder zu stark forciert, Langeweile kommt dabei wahrlich nicht auf.

Wieder gab es Weinen weil das Konzert zu Ende war. Weinen auch darüber, dass es die Große Kreisstadt Traunstein nicht schafft für solche Anlässe eine akustisch passende Örtlichkeit bereit zu stellen. Die ehem Klosterkirche ist in dieser Hinsicht kurz vor grauenhaft. Flatterechos und Brei vom Flügel, der direkt vor einer Wand aufgestellt werden muss sind kein Ohrenschamus. Einmal sah ich beim Mozart ein Pizzicato der Violinen, gehört habe ich es nicht, obwohl ich nur in der dritten Reihe saß.

Lachen natürlich darüber, dass es vorzügliche Künstler wagen sich in die Provinz zu begeben um dort so begeisternd aufzuspielen. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr und bin gespannt, welche Überraschungen dann wieder geboten werden.

Hier noch die Künstler im Einzelnen:

Diana Ketler, Klavier
Alina Pogostkina, Violine
Natalia Lomeiko, Violine
Reto Bieri, Klarinette
Razvan Popovici, Viola
Bernhard Naoki Hedenborg, Violoncello
Nabil Shehata, Kontrabass

Lachen und Weinen …