Ein gemeiner Virus macht mich derzeit kampfunfähig. Wenigstens Zeit um mal wieder ein Buch zu lesen und zwar so wie ich es liebe, schnell und am Stück

Kreuzweg
Roland Voggenauer

Seine ersten beiden Krimis „Blut und Wasser“ und „Übersee“ kenne ich bereits. Es sind liebevoll erzälte Gschichten mit einem immer etwas gruseligem Hintergrund, deren Wurzeln in die die Vergangenheit zurückreichen. Die erfreulich zahlreich eingestreuten bayerischen Dialogen sind authentisch. Das neue Werk hat an Umfang deutlich gewonnen, doppelte Seitenzahl und kleinere Schrift als das Erstwerk.

So auch in dem neuesten Werk „Kreuzweg“. Nach den ersten Seiten merkt man, dass Voggenauer (gebürtig vom Rand der Eifel und Aktuar im Hauptberuf) seine Erzählkunst weiter perfektioniert. Die Zeichnung der Charaktere gewinnt wesentlich mehr Tiefe. Das Ehepaar Staudacher wird vor den Augen der Leser weiter entblättert. Ob sie dem Leser dadurch sympathischer werden sei selbigem anheim gestellt. Mainstream sind sie nicht,  jedoch auch keine seltnen Erscheinungen in der heutigen Zeit.

Die Geschichte ist  wieder ein Nachhall der NS-Zeit.  Gerade im Chiemgau hat diese unrühmliche Zeit tiefe Spuren in Mensch und Land hinterlassen. Dass die katholische Kirche dabei eine unrühmliche Rolle spielt ist nicht unpassend, hat ja das symbiotische Zusammenwirken von Kirche und Staat erst die Akzeptanz in der breiten Bevölkerung ermöglicht. Darauf zielt die Geschichte Voggenauers aber nicht ab, sondern zeigt wie ein Unrechtsregime für daran Unbeteiligten ein Schutzmantel für deren andersartige Untaten sein kann. Gut kommen die Amtsträger hier dennoch nicht weg!

Von Anfang an ahnt man schon wer die Beteiligten sind. Wie die Aufdeckung inszeniert wird, ist  lesenswert, manchmal sogar spannend, dennoch habe ich mich schon manchmal gefragt, ob ich den Seelen-Striptease der Staudachers immer so ausführlich lesen möchte. Ein Happyend gibts für die beiden eh nicht.

Nachdem ich selber mit einer Sylvia verheiratet bin in der Staudacher Str. wohne, in Prien geboren bin und fließend bayerisch spreche, ist das Buch ja schon fast ein Muss für mich. Bereut hab ich den Kauf nicht!  4 ****

Kreuzweg

Ein Gedanke zu „Kreuzweg

  • 22. Mai 2010 um 11:29
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    Oh du armer. Werde schnell wieder gesund. Ich hoffe es haben sich die Noroviren von mir nicht zu dir übertragen (per IP wohlgemerkt) 😉

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