Ich weis, das Thema ist eigentlich so was von durch, aber die erneute Ausstrahlung der Filme bewog mich dazu, meine Meinung hier doch zu posten.

Den Anfang machte bei mir vor langen Jahren der Deutsch-Unterricht in der neunten Klasse. Wir hatten als Halbjahres-Thema „Science-Fiction und Fantasy-Literatur“. Vorschläge machte unser Lehrer und auch die Schüler durften ihre Lieblingsliteraur vorstellen. „Snoopy“ wollte in seinem Referat eben HdR vorstellen, was aber abgelehnt wurde, weil zu umfangreich. Stimmt. Freundlicherweise lieh er mir aber den ersten Band. Ich war – nach dem Überwinden der etwas langatmigen ersten Kapitel völlig hingerissen! Ich war begeistert von der „Nebenwelt“ die Tolkien hier erschaffen hatte. Welch eine, im wahrsten Sinne des Wortes, phantastische Kraft hat dieser Schriftsteller! Mittelerde kam meinem damaligen Wunschempfinden der Welt sehr nahe. Die Hobbits in Ihrem Auenland stellten für mich eine erstrebenswerte Utopie dar. Dazu der Kampf zwischen Gut und Böse – sehr reizvoll. Die Zauberer wie Gandalf oder auch Tom Bombadil sind dem deutschen Knaben ja auch aus Grimms Märchen etc. bekannt, stellten also auch keine Hindernis beim Leseerlebnis dar. Welche Pein stellte es für mich dar, als ich plötzlich die Windpocken bekam (drei Wochen Quarantäne!), das Ende des zweiten Bandes nahte, Frodo sich in den Fängen Krankras befand und ich keine Chance hatte an den dritten Band zu kommen. In der Gemeindebücherei war Tolkien noch unbekannt! Ich lechzte nach der Fortsetzung. Endlich, nach vier langen Wochen bekam ich den dritten Band. Welche Wunderwelt erwartete mich nun! Und welch wundersames Ende, das irgendwie nicht befriedigend war und eigentlich nur den Durst nach weiteren Geschichten aus Mittelerde weckte. Der Leser merkt, ich war wirklich fasziniert! Wovon im Einzelnen?

  • – Die von Tolkien entworfene Welt mit ihren verschiedenen Wesen war für mich nur logisch und in sich konsistent. Ein adäquates schriftstellerisches Mittel um unterschiedliche Bräuche, Lebensstile und Handlungsweisen transparent zu machen. Sofort ging ich mit der Gedankenwelt der Baumwächter d’accord. Das Denken im bäumischen Dimensionen deckte sich mit meinem Naturverständnis. Auch deren Temperament war mir sofort sympathisch. Frodo war für mich übrigens nie der „Held“ mit dem ich mich identifizieren konnte. Viel zu unüberlegt erschienen mir häufig seine  Entscheidungen. Wenn ich eine Figur benennen müßte, dann wäre Aragorn mein „Held“, auch schon bevor seine wahre Identität zum Vorschein kam. Sein Zögern in späteren Situationen machte mir seine Figur mehr und mehr sympathisch.
    Die Elben und Zwerge als weitere zentrale Gruppe bereicherten die Welt ungemein! Kontraste und Gegensätze im Aussehen und Wesen können eine Geschichte ungemein bereichern. Auch wenn sie eine Gruppe in sich als etwas stereotyp erscheinen lassen können.
  • – Die Szenerien sind begeisternd! Ob die Ebenen Rohans, das Auenland, Lothlorien, Minas Tirith oder insbesondere Ithilien und Fangorn übten auf mich einen wahrhaft zauberhaften Reiz aus. Ich fühlte mich dort sofort zu Hause, wollte lieber dort als anderswo verweilen, wenn auch nur in Gedanken.
  • – Die schöpferische Kraft Tolkiens in bezug auf die Sprachen und Schriften der Völker beeindruckte mich sehr.
  • – Die Magie stand für mich NIE im Mittelpunkt der Geschichte! Die Zaubereien des Gandalf und Saruman waren für mich Randerscheinungen in Mittelerde, nahmen sie doch keinen zentralen Stellenwert der Geschichte ein – anders als die Personen und ihr Handeln. Später als ich das Silmarillion las, wurde mir bewußt, wer aus Tolkiens Sicht die Zauberer sein sollten, Personen, deren Aufgabe ähnlich der war, was die Propheten in der biblischen Geschichte darstellten, Gesandte Gottes. Auch „Der Eine Gott“ Iluvatar fügte sich in mein Weltbild ein. Sauron als der Gegenspieler Iluvatars war mir aus der Bibel als Satan auch vertraut. Somit war der Part der Zauberer im HdR für mich nichts weiter als eine phantasievolle Erweiterung dessen, was ein Katholik ersinnen würde, wenn er die menschlichen Sagenwelten mit seinem – bescheidenen – Bibelwissen verschmilzt. Ausserdem ist im ganzen HdR nirgends ein religiöser Ritus o.ä. beschrieben und wird auch von keinem Volk gepflegt. Tempel und Heiligtümer gibt es nirgends,  Priester auch nicht und Friedhöfe und Grabmale sind ja nur selbstverständlich in einer vergehenden vergänglichen Welt.

In den folgenden Jahren las ich alles von Tolkien, und kaufte mir viele ergänzende Literatur. Wichtig erschien mir auch seine Biographie. Sie kann erstaunliche Hintergründe zur Entstehung der Werke liefern. Tat sie auch. Tolkien war ein Genie seiner Zeit, geprägt von der britisch imperialistischen Umgebung, gläubiger Katholik und für englische Verhältnisse ein ungewöhnlicher Familienmensch. Aber eines war er nicht, spiritistisch angehaucht. Auch wenn er in seiner „Stammtischrunde“  den „Inklings“ engen Kontakt mit C.S. Lewis pflegte, der zeitweise nicht christliche Tendenzen hatte. Sehr wohl hat Tolkien aber ausgiebig Anleihe bei den alten nordischen Sagen genommen.

Eines Tages wurde mir dennoch bewußt, das die intensive Beschäftigung mit dieser kunstvoll ersonnen Welt auch Gefahren haben kann. Die Unerreichbarkeit dieser „idealen Welt“ kann eine Sehnsucht danach hervorrufen, die NIE gestillt werden kann (Realitätsflucht!). Also distanzierte ich für mich mich davon und verkaufte auch eine ganze Anzahl der zusätzlichen Literatur auf dem Flohmarkt. Dennoch blieb HdR nach wie vor sowas  wie mein Lieblingsbuch.

Im Jahr 2000 dann plötzlich die Ankündigung: „Der Herr der Ringe wird verfilmt“. Ich fiel fast vom Hocker! Was, Regie: Peter Jackson? Nie gehört! Kann ja nix werden. Ich verfolgte die weiteren Ankündigungen sehr skeptisch. Letztendlich enschloss ich mich doch den/die Film(e) anzusehen. Zugegeben ich war schon etwas begeistert. Besonders die bildgewaltige Umsetzung und die enorm gute Filmmusik gefallen mir heute noch. Aber das ABER folgt auf den Fuss. In welche Position hat denn Jackson plötzlich die Zauberei von Saruman, Gandalf und auch Galadriel gerückt. Ich war entsetzt von der Inszenierung der Szene mit „Galadriels Spiegel“! Diese Dämonenhafte Anwachsen der von mir so geschätzen Cate Blanchett erschreckte mich zutiefst! Nachdem ich alle drei Teile gesehen hatte, auch die Extended Versions auf DVD, stand für mich fest: diese Interpretation des Herr der Ringe kann ich nicht teilen! Noch erschütternder war für mich allerdings, dass diese Interpretation vor allem in den Reihen der okkultistisch angehauchten Personen, Paganen und Wiccas nur allzu heftig bejubelt wurde. In diese Jubelreihe wollte und will ich mich nicht begeben! Wenn heute von HdR gesprochen wird geht es fast immer um die Zauberei und Magie, auch durch eine haarsträubende Verquickung mit dem unsäglichen Harry Potter. Damit möchte ich auch nichts zu tun haben und distanziere mich deshalb ausdrücklich von diesen Ansichten und auch der Interpretation Peter Jacksons. Tatsächlich hat mir der Hype um die HdR-Filme die Freude an einem aussergewöhnlichen literarischen Werk geraubt! Es ist leider nicht mehr möglich HdR als Lieblingsbuch zu nennen ohne in vorher genannte Schublade gesteckt zu werden. Deshalb sind die Tolkien-Bücher aus meinem Repertoire verschwunden. Mein Gewissen bleibt unbelastet …

Es stört mich darüber hinaus, dass dieses durch den Film geschaffene Klima viele dazu veranlasst Spiritismus und Okkultismus noch mehr als Verlockung zu betrachten. Manche Leute haben dadurch ihre Skrupel überwunden und wenden sich – möglicherweise zum ersten Mal – einem Zweig des Spiritismus zu. Das ist fahrlässig und höchst gefährlich für Jeden!

Deshalb Leute, lasst die Finger vom HdR!

Sicher wird nicht jeder diese Ansicht teilen. Es ist jedoch meine persönliche Gewissensentscheidung als Christ, denn ich möchte Jehova, dem Souverän des Universums und Schöpfer aller Dinge stetig näher kommen!

Der Herr der Ringe

2 Gedanken zu „Der Herr der Ringe

  • 24. April 2010 um 13:15
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    Es war interessant deine Ansicht dazu zu lesen. Ich kenne nur diese Filme und die Bücher nicht (bin nicht so der Lesetyp was wohl auch daran liegt dass ich in der Zeit audiovisueller Bewegtbilder aufgewachsen bin). Dieser krasse Gegensatz ist mir deswegen auch nicht wirklich aufgefallen.

  • 27. Mai 2010 um 15:28
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    Ja eine interessante Ansicht, aber so ganz möchte ich ihr nicht zustimmen. Meine Erlebnisse mit dem HdR sind ähnlich. Auch ich habe zu erst die Bücher gelesen, sie geliebt und verschlungen. Trotzdem sehe ich mir die Filme sehr gerne an. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Bücher schon seit ca. 18 Jahren nicht mehr gelesen habe und daher nicht mehr genau weiß, wie alles ablief. Wie auch immer, der HdR wird nicht aus meinem Regal verbannt werden und auch die Special Extended werde ich immer wieder gerne sehen und der letzte Satz macht mich irgendwie stutzig.

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