Die Fahrt zur Apimondia und zurück hatte ich viel Zeit um mich mit einem neuen Buch der Imkerliteratur zu beschäfitgen.

Franz Lampeitl „Bienenbeuten und Betriebsweisen“

Das Buch des renommierten süddeutschen Autors tritt mit dem Anspruch an, eine Hilfe bei der Auswahl des optimalen Systems sein zu wollen, unabhängig, ob für Profi oder Hobbyist.

Das klar strukturierte und mit guten Zeichnungen und Skizzen versehene Buch beginnt mit einem Überblick über „Das Bienenvolk“. Mit Hinweisen auf den farbigen Bildteil in der Mitte werden die wichtigsten Fakten kurz und bündig wiederholt. Die Beschreibung der Bienenrassen sind überwiegend zutreffend und erfreulich neutral, aber eigentlich entbehrlich, da eine Zuordnung der Bienenrassen zu den Betriebsweisen nahezu fehlt.

Im Bereich „Oberbehandlungsbeuten“ wärmt Lampeitl die Legende der unabdingbaren Zentralwabe im Stock wieder auf, weshalb seiner Meinung nach eine Beute eine ungerade Anzahl an Rähmchen aufnehmen sollte. Zur Frage „Falz oder nicht“ nimmt der Autor eher Stellung ‚pro Falz‘ wobei die angeführten Argumente wie die evtl. Schwierigkeit von rechtwinkeligen Zuschnitten und einer zeitraubenderen Arbeitsweise bei Falzlosigkeit dem eingermassen handwerklich begabten Praktiker der damit Erfahrung hat nicht einleuchten.

Die weiteren Beutenteile werden in der Betrachtung nicht ausgespart. Darauf folgt eine Beschreibung der System wie Herold, Hohenheimer Wander- und Einfachbeute, Sebegeberger, Langstroth und Dadant. Schließlich stellt der Autor seine Neuentwicklung einer 11-Rahmigen Dadantbeute aus Holz mit Falz vor. Zu guter Letzt folgt die Beschreibung des Mini-Plus-Systems, als sehr vorteilhaftes Königinnen-Aufzuchtsystem.

Im Bereich „Betriebsweisen“ begibt sich der Autor auf ähnlich gefährliches Gebiet, wie bei den Beuten, weil auch dort jeder Imker meint die Quadratur des Kreises geschafft zu haben. Glücklicherweise empfiehlt Lampeitl anders als andere Autoren keine einzelne Betriebsweise als die allein selig machende. „Faustregeln“, „Möglichkeiten“ und „Grundsätze“ in herausgehobenen Textboxen heben wichtige Leitlinien anschaulich hervor. Allerdings begegnet man in diesem Umfeld manch skurriler Konstruktion die das imkerliche Leben erleichtern soll. Ich meine damit selbstgebaute Apparaturen, deren Abbildung alleine ohne Wert für den Leser ist, denn zu kaufen gibt es sie nirgends und Baubeschreibung ist auch keine da.

Den Abschluss des Buches bildet ein Überblick über die Bienenkrankheiten und deren Behandlungsmethoden.

Ein Pluspunkt des Buches ist sicherlich der von der jahrelangen Erfahrung geprägte unaufdringliche und abgeklärt wirkende Schreibstil des Autors, sowie der schöne Bildteil in der Buchmitte.

Negativ fallen leider manche Unkorrektheit in den Maßangaben und Zeichungen, sowie bei den zugelassenen Medikamenten auf. Hier sollte die nächste Auflage dringend auf den aktuellen Stand gebracht werden, ebenso der Adressteil und Literaturnachweis.

Was viele Leser bei einem Buch über Bienenbeuten vermissen werden, sind Bauzeichungen (die enthaltenen Zeichnungen sind nicht bemasst). Es gibt in der Imkerschaft gerade bei den Einsteigern doch viele Selbermacher die dies sehr schätzen würden. Der Preis von 19.90 Euro ist angemessen, ich bezweifle jedoch sehr, dass das Buch seinem Anspruch und Zielpublikum gerecht wird.

Nachtrag:
Herr Lampeitl ist mit meiner Rezension absolut nicht einverstanden! Bei amazon.de entfernte ich sie also um des Friedens willen. Da obiger Text auch im Heft „Der Buckfastimker“ abgedruckt wurde, setzte er auch den Redaktuer unter Druck eine positive Besprechung zu veröffentlichen. Er verstehe nicht, wie ein Buckfast-Kollege sein Buch so „zerreissen“ könne. Meine Meinung steht und wird sich nicht ändern. Herr Lampeitl bekam von mir Kopien mit den Korrekturen zugesendet, damit sie in einer evtl. Neuauflage korrigiert werden können.

Nachtrag 2:
Mittlerweile ist im „Buckfastimker“ ein Artikel von Herrn Lampeitl über seine „Weissacher Dadantbeute“ erschienen. Ein Zugeständnis an meinen „Verriß“ seines Buches. Diese Beute wird vom Magazinhersteller Fribin vertrieben. Meine Meinung dazu: wir haben doch schon wirklich genug Beutensysteme in Deutschland. Das Durcheinander, das „Beutengulasch“ wird noch deftiger. Darüber hinaus haben wir zwei Dadantbeuten, die 12er nach Adam und die 10er im kompatiblen System, die sich über Jahrzehnte hinweg bei Tausenden Imkern als praxistauglich  erwiesen haben. Warum also eine neue Beute, dazu noch mit Falz? Eine Gewichtsfrage kann es nicht sein (wie mir Lampeitl schrieb), denn die eine wie die andere ist von einer Person nicht tragbar beim Wandern.  Die Sache wird immer lustiger …

Bienenbeuten und Betriebsweisen

2 Gedanken zu „Bienenbeuten und Betriebsweisen

  • 27. Dezember 2009 um 16:44
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    Lieber Reiner

    Auf die Kontroverse deiner Rezension aufmerksam gemacht, musst ich sie neugierigerweise genau und kritisch lesen.
    Wenn ein Autor mit einer sachlich abgefassten Buchkritik nicht umgehen kann, stimmt etwas nicht. Ich habe Franz Lampeitl als integeren Fachmann kennen gelernt. Von daher verstehe ich seine Reaktion nicht. Dass er mit dieser Rezension Mühe hat, ist für mich unverständlich. Als Autor würde ich mich freuen, über solche sachliche Kritik (möchtest du meine Publikationen rezensieren?). Für mich ist sie kein Verriss. Allerdings frage ich mich, was der Autor mit seinem Werk bezweckt, eine „Aufzählung“ von Bienenkastensystemen und sog. Betriebsweisen kann nie abschliessend sein und widerspiegelt m.E. lediglich die Favoriten des Autors aus seiner subjektiven Sichtweise. Da stellt sich dann schnell die Frage nach dem Zielpublikum. Ein Buch zu schreiben nur um des Buches willen macht keinen Sinn…

  • 28. Februar 2010 um 19:31
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    Hallo Reiner,

    gratuliere zu Deiner sachlichen, emotionsfreien Kritik und staune, wie schnell man selbst zur Zielscheibe emotionell aufgeladener Reaktionen werden kann, nur weil man objektiv ist.
    Angelockt von dem vielversprechenden Titel hatte ich mir das Buch sofort nach dem Erscheinen zugelegt und war enttäuscht. Wenn jemand wie der Autor mit 6 verschiedenen Rahmenmaßen Erfahrungen gesammelt hat und nach jedem Wechsel auf ein neues Rahmenmaß das Gefühl von „Erfolg“ hat, dann wäre der geneigte Leser sicherlich daran interessiert, „warum“ das ein Erfolg war ! Und welche Vor- und Nachteile dieses oder jenes Rähmchenmaß in Verbindung mit der betreffenden Betriebsweise im Vergleich mit anderen hat, denn es gibt immer Vor- und Nachteile ! Diese Deutlichkeit vermisse ich schmerzlich und finde, der Leser hätte bessere Antworten auf seine Fragen verdient. Eine ungerade Wabenzahl als das Nonplusultra hinzustellen ist genau so unglücklich, wie den fehlenden Falz an einer Beute zu kritisieren, ohne auf die Vorteile eines falzlosen Systems einzugehen. Was die Imkerschaft am wenigsten braucht, ist eine weitere Beute, deren Namen genau so untergehen wird wie die unendliche Reihe der mit Eigennamen versehenen Beuten der deutschen Imkereigeschichte.
    Dies schreibt einer, der Erfahrungen mit 5 verschiedenen Rahmenmaßen von Freudenstein bis Dadant gesammelt hat, + diverser Flachzargen.

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