In meiner musikalischen Sozialisierung entwicklete ich ab Ende der 70er Jahre eine Vorliebe für gitarrenorientierte Rockmusik. EC rückte erst mit seinem 1983er Album „Money and Cigarettes“ in mein engeres Blickfeld. Auch wenn er selber die Scheibe nicht sehr schätzt, gefällt sie mir ungemein gut. Immer mehr konnte ich mich mit seiner Art zu spielen anfreuden und heute halte ich ihn, wie viele andere auch, für einen der begnadetsten zeitgenössischen Rock-Musiker . Es lag nahe mal seine Biografie zu lesen. Bei Amazon fand ich eine ‚Kritik‘ von Ralf-Jürgen Brüss aus Gröbenzell, die genau meinen Eindruck wiederspiegelt. Ich möchte sie hier auszugweise zitieren:

„Gelesen habe ich sie an drei aufeinanderfolgenden Tagen.

In dem Buch geht es um die Beschreibung eines Lebensweges, der gekennzeichnet ist durch eine traumatische Kindheit, den Totalabsturz in Alkohol, Drogen und ein exzessives Beziehungschaos und einen mühsamen, schmerzhaften Heilungsprozeß.

Eric Clapton beschreibt schonunglos und ohne besondere Sentimentalität wie er wiederholt sich selbst nah an den Tod hat herantreiben lassen.
Er beschreibt jedoch auch, was er auf diesem Weg anderen Menschen angetan hat und welche Schuld er damit auf sich geladen hat.
Die Autobiografie von Eric Clapton beschreibt die Entwicklung eines zutiefst verunsicherten kleinen Jungen in der Großfamilie, der das Gefühl hatte, dass alle anderen Menschen immer über ihn sprechen, als sei er nicht anwesend. Seine Großeltern geben sich als seine Eltern aus während seine wahre Mutter vor ihm als seine Schwester auftritt. Sie hatte ihn heimlich geboren und er entstammte aus einer kurzen Beziehung dieses jungen Mädchens mit einem kanadischen Soldaten. Als langsam die Wahrheit an die Oberfläche kam und er seine Mutter direkt fragte, ob er sie Mutter nennen darf, wird er zurückgestoßen, was zu einem lang anhaltenden Trauma führte.

Der in sich gekehrte Junge empfand jede sich auf ihn beziehende, besondere Aufmerksamkeit als unangenehm, da sie für ihn immer einherging mit dem Herausstellen seiner vertuschten Rolle als Sonderling ohne Mutter und Vater.
Dies führt zu einem lebenslangen zwiespältigen Verhältnis zum Rummel um seine Person und zu Verhaltensweisen, die oft für Beobachter seltsam wirken. Die Gitarre wird zum Medium, über das der junge Eric Clapton Gefühle ausdrücken kann, was ihm sonst kaum gelingt. Er übt und spielt Musikstücke nach und konzentriert sich dabei auf Blues, Rythm&Blues und Bluesrock der späten 50ziger Jahre. Hierbei entwickelt er eine aussergewöhliche Virtuosität und wird zum umworbenen Solisten, den viele Musikgruppen gerne in sich aufnehmen.
Auf seiner Suche nach Themen und Ausdruck entdeckt er die Musik des lange verstorbenen Bluesmusikers Robert Johnson, der für ihn zu einem wichtigen Vorbild in den folgenden Jahrzehnten wird.

Frauen kommen und gehen im Leben des Eric Clapton und es zeigt sich, dass jemand,der sich selbst nicht wirlich leiden kann unfähig ist, einen anderen Menschen zu lieben. Er verliert sich mehr und mehr In Drogen und Alkohol. Oft erscheint es wie ein Wunder, dass er überhaupt noch musikalisch etwas zustande bringen kann. Mehrmals versuchen Musikerfreunde ihm zu helfen wie zum Beispiel Anfang der 70ziger Jahre als Pete Townsend ihn aus Delirien reisst und das berühmte „Rainbow Concert“ für ihn organisiert. Aber „EC“ fällt immer wieder zurück ins Drogenchaos, verstört und verletzt Menschen, die ihn lieben und verehren oder flüchtet für Monate in eine schützende Anonymität.

Ende der 80ziger Jahre, nach mehreren katastrophalen Totalabstürzen findet er dann endlich angesichts des möglichen Todes die Kraft zur Umkehr und beginnt Entziehungskuren.

Seit zwanzig Jahren hat er heute nun keinen Alkohol mehr getrunken und Drogen abgeschworen. In der folgenden schmerzhaften Heilungsphase durchlebt er den Verlust mehrerer Menschen, die ihm nahe standen, wobei ihn insbesondere der Tod seines Sohnes Conor trifft über den er im Song „Tears in Heaven“ reflektiert.

Eric Clapton beginnt, anderen Menschen mit Suchtproblemen zu helfen, gründet sein „Crossroads“ Sanatorium auf einer Karibikinsel und sammelt und spendet große Summen für dieses Projekt. Er gründet mit einer jungen Frau eine Familie und ist seitdem mit Überzeugung und Leidenschaft Vater von insgesamt 4 Töchtern (davon eine, Ruth, aus einer vorherigen Beziehung).

Eric Clapton macht es Verehrern seiner Musik und Person nicht einfach mit seiner Autobiografie. Wird er mit seiner Offenheit und schonungslosen Darstellung seiner Exzesse für die Leser dieses Buches sympathischer ? Ich glaube nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall. Die Glorifizierung bekommt einen Knacks, aber einen heilsamen. Starke Scheinwerfer leuchten in die Abgründe, erleuchten die andere potentielle Seite von Glamour und Rockmusiker-Ruhm. Für Eric Clapton ist es nur konsequent und integraler Bestandteil seines nie abgeschlossenen Heilungsprozesses, wenn er seine Geschichte erzählt ohne etwas zu beschönigen.

Nach dem Lesen dieses Buches weiss man, dass dieser Mann Leid, Verzweiflung und emotionale Achterbahnen genug für mehrere Leben hinter sich hat. Sein Blues, der sich emotional hieraus speist, hat auf jeden Fall noch Ausdruck und Motive für einige Jahrzehnte kommender kreativer Musikgeschichte.“ (Zitat Ende)

Man merkt dem Werk an, dass er kein begandeter Prosaist sein möchte. Der sparsame Stil bringt aber eher noch mehr die melancholische Stimmung der Beschreibung der ersten beiden Drittel seines Lebens zum Ausdruck. Erst im letzten, nüchternen Drittel liest man vermehrt Wendungen wie „das gefiel mir sehr“, „ich mochte das“ etc. Empfindungen zu denen er durch die Drogenwolken hindurch anscheinend selten fähig war.

BESONDERS betroffen macht mich die Tatsache, dass heute Tausende Teenies mit ihrem Komasaufen auf dem besten Weg sind ähnlich zu werden wie EC in seiner „besten Zeit“. Dieses gesellschaftliche Problem wird uns noch viel Kummer bereiten befürchte ich! 5*****

Eric Clapton: Mein Leben